Unveröffentlichte Klassiker, heute: Bye, bye, Glatze!
Hallo! Da ich von meinem Blog-Programm-Dingens immer auf unveröffentlichte Einträge hingewiesen werde und ich gestern diese Radio Island-Sendung hörte, die ich euch sehr ans Herz legen möchte, krame ich mal diesen schon recht alten Text heraus. Außerdem ist das der offiziell 253. Blogeintrag, da kann man auch mal zurückblicken. Ich würde mittlerweile einiges anders schreiben oder sehen, naja. Viel Spaß bei Solstik Classics.
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In den Medien wird momentan ein Thema recht häufig behandelt (gestern zum Beispiel auf Tagesschau.de). Eigentlich ist es schon wieder ein alter Hut, trotzdem will ich es nicht auslassen. Es geht um die Autonomen Nationalisten, das rechte Plagiat des exlinken Schwarzen Blocks. Mit schwarzen Kapuzenpullis, Transpis in Antifa-Layoutmanier, Polit-Hip-Hop und einer permanenten Straßenkampflust hat man bei ihnen fast das Gefühl, einem standesgemäßen Antifa-Demokonzept zu begegnen (die Verwechslungsgefahr ist nicht zu verachten, das Anstellen an der falschen Demoseite kann dadurch schnell mal im Krankenhaus enden, mindestens).
Die Entwicklung, die in den letzten Jahren stattfand, ist ja an sich nichts neues. Rechte Ausdrucksformen stammen fast durchgehend aus dem entgegengesetzem Spektrum (was auch immer das heißt), vom Skinhead bis zum “Nazi-Gothic”. Meistens passieren dabei auch ideologisch Schulterschlüsse mit dem Gedankengut des vermeintlich Anderen.
Nun könnte sich über die Dreistheit der Rechten, einfach Lifestye zu kopieren, aufgeregt werden. Oder über den Widerspruch, dass sie Trends wie Hip-Hop aufgreifen, deren Urväter (leider wirklich häufig nur Väter) ganz und gar nicht in ihr Weltbild passen. Das bringt aber vermutlich wenig. Viel spannender ist die Frage, wo die gute Kompatibilität zwischen den Ausdrucksformen zweier Lager herkommt, die sich eigentlich mehr als spinnefeind sind.
In Anbetracht der Elemente, die übernommen werden, kann schnell festgestellt werden, dass sie meist etwas aggressives, hartes und auch uniformiertes haben. Wenn (linke) Autonome gemeinsam in schwarzer Montur und mit fiesen Symbolen auf die Straße gehen ist das nichts, was sich in irgendeiner Form vor der Übernahme durch rechts schützen ließe. Eben das Gegenteil ist der Fall: Es ist sogar ziemlich attraktiv für Leute, die genau den gleichen Erschreckeffekt erreichen wollen und bei denen aggressive Männlichkeit ein Ideal ist. Die Härte in diversen Teilen der Linken drückt sich nicht nur durch Klamotten aus, auch die Musik muss schön knallen, alles andere ist langweiler und doofer Hippiekram. Gelegentlich wird mensch auch von dem Gefühl beschlichen, dass in manchem linken Umfeld sowohl Männer als auch Frauen einen verstärkt männlichen Habitus an den Tag legen müssen, um cool gefunden zu werden (ich gebe ja zu, dass ich mit Klisches arbeite, aber die treffen leider häufig zu). Das Ganze ließe sich noch ewig erweitern und stammt eventuell aus dem Bedürfnis, sich vom braven, angepassten und auch verweichlichten Nach-68er-Bürgertum abzugrenzen und dieses schön zu schocken, wie auch immer. Aber genau die Teile der Linken, die dies besonders praktizieren, werden nun von rechts kopiert. Dass der Schulterschluss zu Hip-Hop funktioniert ist eigentlich gar kein Wunder.
Interessant ist das Thema auch im Bezug auf linkes Design. Ich habe schon ungefähr 534234 Antifa-Sticker gesehen, die im Grunde fast die gleiche Gestaltung besitzen, immer eine zerlederte Schrift, ein 1000 mal benutzter Slogan, manchmal ein Sprühfleck, meist irgendein cool-bedrohliches Motiv usw. In ihnen spiegelt sich die Härte und Unantastbarkeit, die junge AntifaschistInnen von heute scheinbar benötigen, wider. Und -tärä- die Autonomen Nationalisten stickern nun selbst auch in diesem Stil herum.
Bogen zurück: Im Grunde ist die Entwicklung der letzten Zeit nur folgerichtig und es wäre eigentlich toll, wenn sie dazu führen würde, dass die Linke ihre eigene Symbolik und die Einstellungen dahinter reflektiert. Mal sehen, sag ich da. Schön wäre es einfach auch, um die Gefahr zu bannen, auf der falschen Demoseite zu landen (momentan gelegentlich noch an Israelflaggen zu erkennen).
Achtung, das war noch nicht das Ende. Die zweite Entwicklung der letzten Zeit, verbunden mit Thor Steinar und Co., ist der Versuch von rechts, stilistisch und inhaltlich in die gesellschaftliche Mitte vorzudringen. Deswegen ist häufig demonstriert, organisiert und diskutiert worden (Investigate Thor Steinar, Schöner leben ohne Naziläden, …). Das Thema hat etwas mit dem vorhergehenden zu tun: Bei beiden Tendenzen lässt sich unser geliebter Springerstiefelnazi nicht mehr ganz so leicht als solcher erkennen. Ich sage da: Nur gut so (außer man wird verkloppt), lange genug war mensch in der Lage, Sachen abzutrennen, die eigentlich nicht abzutrennen sind. Nationalistisches, rassistisches, autoritäres, sexistisches (usw.) Denken war schon immer in der ganzen Gesellschaft verwurzelt. Immerhin wünschen sich 65% der Deutschen ihre Lager zurück (fiktive, aber nicht unberechtigte Zahl). Um dieses Problem zu vertuschen gab es ihn stets, den lieben Nazi, den Bürgerschreck und die Ablenkung der deutschen Gesellschaft von sich selbst. Wenn Opa Achim über die Polen wetterte, denen nun Schlesien gehört oder Cousin Maik nach einer starken Hand verlangte, die mal wieder die Arbeitsplatzverteilung richtig regelt, so konnte man sich stets beruhigend sagen: “Zum Glück sind sie keine Nazis.” Heute ist diese Abgrenzung nicht mehr so leicht, Maik trägt Thor Steinar und Opi wählt den netten Nachbarn von der NPD. Und selbst wenn sie Pelle Pelle tragen oder Die Linke wählen würden, wäre höchstwahrscheinlich kein anderer Hintergrund zu finden. Es kommt zusammen, was zusammen gehört. Rechtes Gedankengut ist nun mal ein gesamtgesellschaftliches Problem.
nicht vergessen, Leute:
Mittwoch April 14th 2010, 16:41
Abgelegt unter:
Text
“and out of the confusion,
where the river meets the sea,
something new would arrive,
something better would arrive”
Tiefe Weisheiten aus Springfield
Der Space-Kojote (im Original übrigens von Mr. Johnny Cash gesprochen): “The problem, Homer, is that the mind is always chattering away with a thousand thoughts at once.” … “Clarity is the path to inner peace” Homer:“Look, just give me some inner peace or I´ll mob the floor with you.”
Und für Alle, die sich mal erklären müssen, sei folgender Spruch empfohlen: “I didn´t get drunk, I just went to a strange fantasy world!”
Was für ein toller, toller Song in der Folge vorkommt, hört es euch mal dringend an! Die Sängerin ist übrigens Janis Ian, ich glaube sie ist eine unglaublich 1ae Person.
emoness for the day: the police - hole in my life
Donnerstag Januar 14th 2010, 01:15
Abgelegt unter:
Musik,
Text
There’s a hole in my life
Be a happy man
I try the best I can
Or maybe I’m just looking for too much
Randwissen: Sting hat sich ja mal selbst als manisch-depressiv bezeichnet.
winter-todo-liste

- festellen, dass im Winter die Tage wieder länger werden
- Winterdepression bekämpfen
- jemand einseifen / eingeseift werden
- einen Winterwald ansehen (für Stadtkinder nicht selbstverständlich!)
- einen Zombiefilm im Schnee drehen
- obszöne Bilder in den Schnee auf Autos zeichnen
- jemand aufgrund seiner Winterkleidung nicht erkennen
- einen Nachtspaziergang durch einen verschneiten, deswegen total hellen, Park machen
- altklug bemerken, dass der Schnee gerade Pappschnee ist
- einen verschneiten Ast über jemand ausschütteln und dabei “Hui, es schneit!” rufen
- sich über “im Winter ist das Bett so kalt”-Beziehungen ärgern / eine haben
- ordentlich ausrutschen
- ein Wintersternzeichen entdecken (easy z.B.: Orion)
- einen kurzzeitigen Temperaturwechsel für den kommenden Frühling halten
- die Klamotten an offizieller Stelle ausziehen und feststellen, dass man unter der Zwiebelkleidung komplett durchgeschwitzt ist
- “Täglich grüßt das Murmeltier” gucken
btw.: eine nette Unterhaltung zwischen zwei Schülern am verschneiten Dessauer Bahnhof:
“Und du willst nen toten Kenny zeichnen?” “Ja.” “Aber machs nicht zu brutal.”
heute huxley

Aus dem Vorwort der Neuauflage von “Brave New World” aus dem Jahr 1946:
“Chronic remorse, as all the moralists are agreed, is a most undesirable sentiment. If you have behaved badly, repent, make what amends you can and address yourself to the task of behaving better next time. On no account brood over your wrongdoing. Rolling in the muck is not the best way of getting clean .
Art also has its morality, and many of the rules of this morality are the same as, or at least analogous to, the rules of ordinary ethics. Remorse, for example, is as undesireable in relation to our bad art as it is in relation to our bad behaviour.”
So sah der alte Huxley das.
Presseschau
Samstag Dezember 12th 2009, 01:31
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Text
Hallo! Hier nun die allseits beliebte Solstik-Presseschau.
Diesmal geht es mit der Jungle World los. Da gab es nämlich in der Ausgabe für diese Woche (50/09) einen ganz netten Artikel von Thorsten Mense zu dem Bildungsstreik unter dem Titel “Wir wollen doch nur Streik spielen”. In ihm geht es um den Mangel an politischer Vision bei den Protesten bzw. um deren vermeintliche Ideologiefreiheit. Sehr zu empfehlen, sich das ganze Mal durchzulesen. Ganz gut fasst folgender Satz die Situation zusammen: “Die Proteste stehen nicht in der Tradition der 68er, sondern sind vielmehr die Antithese dazu. Und sie zeigen die Veränderungen innerhalb der gesellschaftlichen Diskurse auf. »Ideologisch« sei bereits der Verweis auf eine Ökonomisierung der Hochschulen, beschmierte Wände gelten als »Gewalt« und dienen als Rechtfertigung für gewalttätige Räumungen wie zuletzt auf dem Frankfurter Campus.” Auch auf Solstik.de gab es ja schon mal einen Artikel zu dem unguten Bauchgefühl, dass sich vom bequemen Beobachtungsposten aus einstellt (naja, manchmal vielleicht lieber nichts als irgendeinen Quatsch machen, oder?).
Der zweite Artikel stieß mir allerdings ziemlich sauer auf. Und zwar stammt er aus dem wunderbar (von cyan) gestalteten Magazin der Kulturstiftung des Bundes. Diese Ausgabe (Nr.14) widmet sich dem Thema “Tanz”. Als ich mir es auf der Heimfahrt von Dessau, nachdem ich es von einer Professorin freundlicherweise geschenkt bekommen hatte, durchlesen wollte, kam ich allerdings nicht besonders weit. In einem Text über die Entwicklung des Tanzes in der Postmoderne verliert Michael Kleeberg folgende Worte, die mich die Zeitung erst einmal frustriert auf den Sitz knallen ließen, so dass die anderen Fahrgäste aus ihrem Schlummer erwachten (übertrieben): “Ja, ich glaube, der Tanz, wie überhaupt Teile der Gesellschaft befinden sich auf ganz direkten Wege zurück zu einer Tribalisierung und Rebarbarisierung, für die der Verlust komplizierter Regeln und einer Etikette nur ein Beispiel ist, andere wären die Tendenz zum Alleine- und Für-sich-Tanzen, zum Tanzen als Exhibitionismus, als Autismus, zur Feier des eigenen Körpers als eines autonomen Kunstwerks samt Piercings, Tätowierungen, falschen Nägeln, gezüchteten Muskeln und einer Aura des Hermaphroditischen. Ein solch tanzendes drittes Geschlecht braucht in der Tat keinen Partner mehr, sondern nur noch Zuschauer, keinen Sex mehr, sondern nur noch Facebook.” Während ich das abtippe merke ich, wie einem bei so einem Mist die Wut hochkocht. Das ist nicht nur kulturkonservativ und sexistisch, sondern menetekelt, ähnlich wie Sarrazin und Slotterdijk, an allen Ecken den Untergang des geliebten Abendlands herbei. Wie kommt etwas in so eine Zeitung, fragt man sich. Oder auch nicht.
Nebenbei: Otto Waalkes hat einen eigenen YouTube-Channel, der Hammer. Wie wenig Views die Videos haben, verrückt. Lasst uns das ändern!
Und alle so: Stellt mal nicht euer Fahrrad hier ab!
Dienstag November 24th 2009, 12:50
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Juhu, endlich sind die StudentInnenproteste auch in Leipzig angekommen (warum auch immer so spät, aber besser spät als nie, wie in Dessau). Leider bedeutet das gerade vor Allem (außer dass das Rektorat besetzt ist), dass der Ort, an dem man sonst seinen “Drahtesel” parkt, mit rotem Absperrband umwickelt ist. Stellt man sein Rad trotzdem dahin wird man von engagierten StudentInnen darauf hingewiesen, dass das gerade nicht ginge. Da sieht man schon glatt den Rektor aus dem Herrenklo heruntergrinsen, erfüllt mit der Freude, dass man nun endlich dort unten mal für Ordnung sorgt.
Ist mir eben eben passiert, als ich mein Fahrrad vom Ort entfernen wollte. Ich dann:”Hey, bla bla bla … antiautoritäre Demo!“. Sie dann: “Bla bla bla … antiautoritäre Demo?” Ich so *sinnlos aufreg* und dann *beschämt wegen meiner doofen Diskutiererei abzieh*. Argh.
Zitat des Tages // 21.11.09
“Das ist so cool und glatt, da rutschen wir verträumten Politclowns mit trauriger Fresse ab.” - Linus Volkmann über Mando Diao
… ich würde es mal auf 90 % der Realität beziehen.